Was soll ich mit meinem Leben anfangen?

Stadtpark

(c) Stefan Trumpf

Die Frage haben wir uns sicher alle schon mal gestellt. Vielleicht ja auch öfter.
Wieso diese Frage gerade ganz akut wurde und wie perfide die ganze Situation hinter dieser Frage eigentlich ist, das liest Du hier heute bei mir.
Naja, die eine oder andere Idee dazu natürlich auch…

Es ist einer der letzten Tage vor Weihnachten. Draußen sieht es zwar eher nach Ostern aus, aber an den Schaufenstern der Stadt, am Glühweingeruch in der Luft und den gehetzten und gestressten Gesichtern der Passanten nach, kann es nur auf Weihnachten zugehen.
Aber keine Angst, das wird keine Weihnachtsgeschichte. Es wird eigentlich überhaupt keine Geschichte. Ich bin nämlich verabredet. Ein weiterer Impulskaffee steht an – mit einer Dame. (Wieso interessieren sich eigentlich hauptsächlich Frauen für ihre [spirituelle] Entwicklung?)

Wir sind beide pünktlich, das Eis ist schnell gebrochen, man kennt sich aus Facebook schon eine Weile. Wir plaudern, dann leite ich über zu meiner Frage, wofür sie denn einen Impuls von mir möchte. Sprich: Wo hakt es denn?

Ich glaube, sie ist ein bisschen verlegen, streicht ihr Haar hinters Ohr und sagt dann ganz leise:
„Weisst Du, ich habe so viele Ausbildungen gemacht. Jeder bestätigt mir ein großes Potenzial und es gibt etwas in mir, das mir sagt, nein, das mich drängt, etwas Sinnvolles zu tun. Ich möchte dieser Welt etwas geben, aber ich weiß verdammt nochmal nicht wie, geschweige denn was. Ich hab das Gefühl, ich vertrödel meine Zeit in meinem Job und irgendwann ist dann Zapfenstreich, das Leben ist rum und was hab ich gemacht? Nix!“
Und dabei kullert ihr ganz sanft und leise eine Träne die Wangen hinunter.
Sie blickt auf, wischt sich die Träne aus dem Gesicht und fragt mich die ultimative Frage:
„Was soll ich mit meinem Leben anfangen?“

Boah! So ein Klopfer vor Weihnachten. Dabei war ich doch schon fast im Jahresendzeitsmodus und auf Erholung eingestellt. Denkste! Hier wirst Du nochmal richtig gefordert. Gut so!

Kommt Dir diese Situation vielleicht bekannt vor? Hast Du Dir möglicherweise diese Frage auch schon mal gestellt? Ich jedenfalls kann mein Gegenüber sehr gut verstehen.

Meist hab ich mir diese Frage aber nicht selbst gestellt, sondern sah in die ernsten Gesichtern von Menschen, die mein Bestes wollten: Eltern, Partnerinnen, Arbeitgeber… You name it!
Immer dann, wenn ich wieder mal das Gefühl hatte, in der Sackgasse zu stecken, falsch abgebogen zu sein, oder mir die Struktur eines Betriebes die Luft zum Atmen zu nehmen drohte. Immer wenn ich zu neuen Ufern aufbrechen wollte und das den Menschen in meiner Umgebung schonend beibringen wollte, dann kam dieser Satz.
„Stefan, jetzt bist Du xy Jahre alt. Du musst doch lansgsam wissen, was Du willst. Was willst Du denn mit Deinem Leben anfangen?“ Im Hinterkopf: „Krieg es doch endlich mal auf die Reihe!“

Und was hab ich gehadert mit mir und dem Leben. Was hab ich Ausbildungen gemacht! Bin geschult in psychologischem Kram, hab den Meistergrad in verschiedenen Systemen energetischem Heilmethoden etc.pp. Mir ging es also wie meiner Klientin.
Und ich geb zu, es hat eine ganze Zeit lang gedauert, bis ich auf den Trichter gekommen bin…

Zunächst einmal strebt wahrscheinlich jeder, wenn er nicht gerade zu der Sorte Mensch gehört, die mit Tiefkühlpizza und Bundesliga vollkommen zufrieden ist, irgendwo nach Sinnhaftigkeit und so etwas wie Selbstverwirklichung. (Und bevor jetzt wieder jemand schimpft: Für mich sind Tiefkühlpizza & Bundesliga auch völlig ok; genauso wie Menschen, denen das reicht!)
Aber genau beim Punkt SELBSTverwirklichung geht es doch los. Was bedeutet das denn wirklich?
Oft werden Menschen, die diese anstreben ja gleich mal als Egoisten abgestempelt, die nur in ihrer eigenen Welt leben und für andere keinen Blick haben. Das kann ich aus meiner Sicht nicht bestätigen.

Selbstverwirklichung ist für mich die logische Konsequenz der Selbsterkenntnis. Wenn ich das Selbst in mir erkenne, dann erkenne ich auch, dass es danach strebt, sich durch mich zu entfalten. Sollten wir dem dann nicht Raum geben?
Stattdessen aber sind wir oft voller Erwarteungen, Ziele Ideen, wie das Leben auszusehen hat. Wir werden durch Erziehung und Gesellschaft dazu konditioniert, Dinge und Glaubenssätze davon in uns zu erhalten, die uns vorgaukeln was das Leben zu sein habe und was nicht.

Durch Gurus, Medien und andere Auswüchse der Esoterikszene werden wir verführt zu glauben, was wir alles sein könnten. Wir hängen uns an Konzepte und Bilder, die wir selbst von uns entwerfen, weil wir mit dem, was wir momentan sind, nicht zufrieden sind.
Dabei merken wir oft nicht, dass es gar nicht darauf ankommt, was wir vom Leben wollen, sondern eher, was wir davon erwarten. Wir erwarten vom Leben die Dinge, die wir bereits erlebt haben. Unsere Erfahrungen prägen unser Gehirn und in unserem Gehirn steckt der größte Sender ans Universum, was dann wieder unsere Realität formt.

Haben wir haben verlernt dem wichtigsten Organ zuzhören, das es gibt, was uns(er) Selbst betrifft: unserer Seele? Sind wir stattdessen geneigt, kritiklos allen Schwachsinn zu glauben, den man uns vorsetzt? Verheddern wir uns im Leistungsprinzip der Gesellschaft, verwechseln „sein“ mit „tun“ und vermasseln daher unsere ENTwicklung? Bleiben wir verwickelt, hören nach außen, statt nach innen? Vertrauen wir den falschen Propheten statt unserer Intuition, hören nicht hin, was uns unsere Seele sagt, was uns das Leben zuflüstert? Haben wir das Gefühl, nur wenn wir etwas tun, dann hat unser Leben einen Sinn?

Was aber, wenn es gar nicht auf das TUN, sondern das SEIN ankäme? Was, wenn wir, die wir in einem großen Feld aus Information leben, in das wir nahtlos eingebunden sind, uns einfach mal nur hineinfallen lassen, in diesen Fluss, der da Leben heisst?
Was, wenn wir einfach vertrauen, dass unsere Seele weiss, was sie will, dass uns das Leben zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Menschen und Orte führt?

Was wir mit unserem Leben anfangen sollen? Wie wäre es damit, wenn wir begännen, wirklich zu leben? Wie wäre es, wenn wir uns damit beschäftigten, glücklich zu sein, drauf zu sch***en, was andere glauben, was wir mit dem Leben anfangen sollen. Was, wenn wir Leistungsprinzip und Konkurrenz den Finger zeigten, wenn wir aufwachten, aus der Illusion, dass wir klein, hilflos und schwach sind? Was, wenn wir aufwachten aus der Illusion der Trennung vom Göttlichen und ihm damit die Chance gäben sich durch uns zu verwirklichen. Wieviel an guter, wertvoller Information flösse dann ins Universum, wieviel Glück würde sich verwirklichen, wenn wir aufhörten, ständig darüber nachzudenken wie wir noch größer oder heller scheinen könnten und akzeptierten, dass wir es bereits tun? Wie anders offenbarte sich uns die Welt, wenn wir morgens die Augen öffneten, dankbar (am Leben) zu sein und hinaushörten, um zu erfahren, was da draußen für ein Abenteuer auf uns warten könnte…

Also müsste die Frage „Was soll ich mit meinem Leben anfangen?“ nicht viel eher lauten:

„Was soll das Leben mit MIR anfangen?“

In diesem Sinne…
SP Stefan Schriftzug Kopie2

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5 Antworten zu Was soll ich mit meinem Leben anfangen?

  1. Hallo StefAn!

    Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst und das Meistern der Aufgaben, die das Leben uns stellt.

    Seitdem mir das in der Form klar geworden ist, bin ich viel ruhiger geworden und nicht mehr ständig auf der Suche.

    lg
    Maria (ich hätte gleich 2 A)

  2. stefantrumpf schreibt:

    Liebe Maria,
    da bin ich ganz bei Dir.
    Für mich ist das Leben auch in der Tat der Sinn des Lebens. Aber über diese Hürde stolpern so viele. Es ist ihnen zu wenig. „Da muss doch noch mehr sein.“, hör ich oft.
    Und dann wird über das große Mysterium diskutiert, über einen göttlichen Auftrag und all solche Dinge. Ich hab das auch mal geglaubt. Dann kam ich aber für mich zu der wahren Bedeutung hinter den Worten „Dein Wille geschehe“. Ich konnte loslassen…
    Seither bin auch ich ruhig und nicht mehr auf der Suche… 🙂
    LG

  3. Tristan Rosenkranz schreibt:

    „Wieso interessieren sich eigentlich hauptsächlich Frauen für ihre [spirituelle] Entwicklung?“ – DAS wüsste ich auch gerne. Wahrscheinlich, weil uns Männern noch zu viel Scham und alte sperrige Konditionierungen im Wege stehen…

    „Selbstverwirklichung ist für mich die logische Konsequenz der Selbsterkenntnis.“ – und solange die nicht abgeschlossen ist, ist es schwierig, die eigentliche Selbstbestimmung klarzukriegen, glaube ich…

    • stefantrumpf schreibt:

      Lieber Tristan,
      vermutlich ist den meisten Männern Spiritualität einfach zu unmännlich, oder wie Du sagst, sie schämen sich wegen ihrer sperrigen Konditionierungen. Das kann sehr gut sein.
      Ich für meinen Teil glaube, auch Selbsterkenntnis ist ein nie endender Prozess. Man kann schon ein gutes Stück geschafft haben, aber es geht weiter – jeden Tag. Ich beobachte das an mir selbst. Und inzwischen kann ich das sehr genießen, weil ich mir keinen Stress mehr damit mache 🙂
      Je mehr ich bei mir bin, je mehr ich zulasse, dass das, was in mir lebt sich entfaltet, desto einfacher geschieht die Selbstverwirklichung. Ich muss da gar nicht viel weiter dazu tun…

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