Werd‘ jetzt bloß nicht metaphysisch!

Heut wird’s kurz und schmerzlos – hoffe ich!

Wut_AKennst Du das: Du führst eine Diskussion mit jemandem und Du merkst, Dein Gegenüber hat sich komplett „verfahren“. Du hast das Gefühl, dass er (oder sie) gerade so komplett alles falsch macht, was die kosmischen Gesetze angeht, oder das Resonanzgesetz oder was auch immer. Ich mein, Du bist spirituell gebildet, hast die Bücher gelesen, die man heutzutage so gelesen haben sollte, kennst den einen oder anderen Film, bist also ziemlich gesettled in dem Thema „Lebensführung“ und wie man es hinbekommt, ein erfülltes, glückliches Leben zu führen.

Und, hey, Du meinst es ja voll gut und willst ja nur helfen, aber dann schnaubt Dich Dein Gegenüber mitten in der Diskussion an, (Du hast gerade wieder mal was richtig Kluges vom Stapel gelassen): „Werd‘ jetzt bloss nicht metaphysisch, sonst tu ich Dir was!“
„Aha! Wow!“, denkst Du. Da will aber jemand so gar nicht hören, was Du zu sagen hast. Und jetzt?

Worauf ich hinaus will ist folgendes: Klugscheißer kann einfach keiner leiden!

Wenn Du ein Problem hast, wenn Du Sorgen hast, wenn’s Dir einfach mal nur beschissen geht, dann ist das Letzte, was Du hören möchtest ein Spruch wie: „Jedes Problem birgt die Lösung in sich!“ oder sowas wie „Warum gehst Du denn damit in Resonanz, was hast Du denn da noch zu lösen?“
Wenn Du nachdenkst, fallen Dir sicher noch ein paar so Weisheiten ein, auf die Du in dem Moment aber gut und gern verzichten kannst. Auch gern genommen wird übrigens: „Weißt Du, wie innen, so außen, wie oben so unten!“ Alles, was noch fehlt, ist ein mitleidiger Blick und Du hast genug. Ich bin sicher, Du bist in dem Moment auch null daran interessiert, darüber nachzudenken, welche Muster oder Blockaden gerade hinter Deinem Problem erkennbar sind, oder?!

Ja, alle diese Weisheiten sind wahr. Alles, was man dazu sagen könnte ist sicher richtig, das will ich hier gar nicht in Abrede stellen. Aber in den Momenten, in denen es uns gerade nicht gut geht, da wollen wir wütend sein dürfen, da wollen wir traurig sein dürfen, da wollen wir in den Arm genommen werden und unserer Frustration einfach Raum geben.

Und soll ich Dir was sagen? Gut so!

Wir sind trotz all unserer Spiritualität, trotz all unserem Wissen und unserer Erkenntnis immer noch auch eins: Mensch! Und wir müssen uns manchmal eben durch gewisse Täler durcharbeiten, bevor wir uns wieder in den Himmel schwingen können – sozusagen. Wir sind Mensch und wollen in dem Moment auch auf dieser Ebene wahrgenommen werden. Wenn dann so Weisheiten auf uns abgefeuert werden, dann hilft uns das nicht, denn es zeigt uns gerade nur noch deutlicher, dass wir momentan anstehen und nicht weiter wissen. Das kann keiner brauchen.

Oft passiert das ja auch – sind wir doch mal ehrlich – aus einer gewissen spirituellen Arroganz heraus. Wir wissen es schliesslich besser! Ha, was sind wir gut! Und was geht uns durch den Kopf? „Du hast aber noch viel zu lernen, ach ja!“

Vergessen wir doch bei aller Weisheit bitte eins nicht: Mitgefühl. Mitgefühl und Empathie. Die beiden sind in solchen Momenten angesagt. Wenn sich die Situation beruhigt hat, dann können wir ja in der Erkenntniskiste kramen. Wenn unser Zuhörer wieder aufnahmefähig ist. Erst mal aber will er seinen Frust abladen und die Möglichkeit geben wir ihm nicht, wenn wir gleich von Anfang an metaphysisch werden.

In diesem Sinne…

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5 Antworten zu Werd‘ jetzt bloß nicht metaphysisch!

  1. Sybille Johann schreibt:

    Du Stefan, mit dem Artikel geh ich jetzt aber total in Resonanz … 🙂
    Ich bin ja durch und durch spirituell, aber für den momentanen Zeitpunkt habe ich mich (vielleicht durch eine kleine Unachtsamkeit beim Ausfüllen der Formulare) in einem Körper inkarniert. Und der regt mich manchmal einfach auf. Er ist so behäbig, er kapiert nicht so schnell, und dann kann es sein, dass er ein wenig die Küchenschranktüren zuknallt und herumflucht. Und wehe dann kommt einer mit dem Satz „Denkst du, es geht dadurch leichter?“ Dann ist Polen offen.
    Und DANN gehts mir besser. Manchmal will ich mich einfach aufregen dürfen.

    Aber grad gehts mir gut 😀
    Sybille

    • stefantrumpf schreibt:

      Ja, liebe Sybille, ich auch! 🙂
      Auch ich will mal wütend sein dürfen, oder traurig und diese Emotion dann auch einfach zulassen können. Ja, dann rauscht’s halt mal. Na und? Du wirst lachen, meist geht’s einem danach besser, weil die Spannungen weg sind. Hurra! Und da soll mir bitte keiner metaphysisch werden! *hahaha*
      Danke für Dein Feedback! Alles Liebe…
      Stefan

  2. AC schreibt:

    Verdammt wahr. Ich kenne eine Frau, die ist von einer unglücklichen, ausbeutenden Beziehung direkt in die nächste gestolpert und hoffnungslos verliebt. Und umso mehr Leute ihr sagen, sie soll beide Kerle vergessen, umsomehr klammert sie. Daher versuche ich ganz behutsam und ohne die ganzen Resonanzgesetze mit ihr zu reden und ihr anhand ihrer eigenen Aussagen zu demonstrieren, das das nicht der Weg für sie ist. Ich glaube, sie schafft es über einen langen, langen Zeitraum sich von dem Mann loszulösen, der sie täglich verbal verletzt und für seine eigene Geltungssucht missbraucht, aber das geht nur indem ich ihr sehr viel Einfühlungsvermögen und Geduld entgegenbringe. Und ich weiß nicht, ob, sobald dieser Mann aus ihrem Leben ist, sie nicht den nächsten heranzieht der ihr etwas schmerzhaft wiederspiegelt. Sie macht sich immer selber runter und ich wünschte so sehr, sie würde damit aufhören. Ich weiß aber, wie schwer das ist, weil ich mich auch mein halbes Leben lang selber runtergemacht habe und meine Mitmenschen mir das wiedergespiegelt haben. Oft höre ich ihr nur stumm zu, weil ich nicht mehr weiß, was ich sagen soll. Jeder zweite ihrer Sätze fühlt sich für mich an, als würde sie verbal mit einem Messer auf sich selbst einstechen und das tut mir so weh.

    • stefantrumpf schreibt:

      Mank kann niemanden vor sich selbst retten, jedenfalls nicht nach meiner Erfahrung.
      Man kann raten, kann seine Meinung kundtun, mit empathie jemandem begegnen, aber mehr?
      Ich zittiere gern mal auch Galileo Galilei: „Du kannst die Menschen nicht lehren. Du kannst nur dafür sorgen, dass sie es in sich selbst finden…

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