Es lebe die Revolution – oder warum war doch gleich Spiritualität Punk?!

PUNKNachdem ich mich in meinem letzten Artikel ja über die zahlreichen Seminar-Hopper ausgelassen habe und dieser Artikel in nur einer Woche über 600 Klicks hatte, haben mich dann auch Fragen erreicht. Unter anderem auch die: „Wieso sol’n Spiritualität Punk sein?“
Naja aus folgendem Grund:

Als in den 70er Jahren Rock-Größen wie Led Zeppelin ihre Zuschauer mit endlosen, sich wiederholenden Gitarrensoli langweilten und Songs sich zu epischen Opern von 20 Minuten Länge ausdehnten, glaubte man den Rock am Boden, am Ende. Wie Rockmusik zu sein hatte, stand da wie ein Manifest. Der rebellische Geist, der einst mit Rockmusik verbunden worden war, war in der Musik nicht mehr zu erkennnen. Das Establishment hatte sozusagen den Rock assimiliert.
Die politische Lage, wie auch die Wirtschaft waren alles andere aufmunternd, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit waren wohl an der Tagesordnung. Das galt besonders für Europa und Großbrittanien. Tja und dann kamen junge Musiker, die diese Strukturen aufbrechen wollten. Das Motto: Du kannst drei Akkorde? Dann gründe eine Band. Der Rest ist Geschichte. Die Sex Pistols, the Clash, the Police und viele andere zeigten der Musikindustrie wo der Hammer hängt. Der Punk war geboren.

Punk ist für mich frech, Punk ist revolutionär, Punk ist wild. Für mich ist Punk mutig! Er will zum Denken anregen, zum Ausbrechen. Punk will Dir sagen: Das kannst Du auch! Sch*** drauf, ob es Deinem Nachbarn gefällt. Punk überschreitet Grenzen. Punk bricht mit veralteten Traditionen und räumt mit verstaubten Ritualen auf. Punk ist auf das Wesentlichste reduziert. Und vor allen Dingen hat Punk kein Konzept.
Er fragt nach dem Warum und zeigt all denen den Stinkefinger, die glauben, ihn belehren zu müssen, oder ihn in eine Form zu pressen. Wenn man gerade geglaubt hat, ihn zu verstehen, dann kommt einer und macht wieder was Anderes.

Punk ist für mich eine Art, sich frei auszudrücken. Es ist eine Art, das Leben zu spüren, es in sich aufzusaugen, auch, wenn man sich dabei vielleicht mal eine blutige Nase holt.
Punk ist nicht verhaftet im Gestern und Morgen interessiert Punk überhaupt nicht. Punk ist JETZT.
Vielleicht ist das der Grund, warum immer mal wieder „Punx not dead!“ an einer Häuserwand steht. Denn was JETZT ist, ist lebendig.

Ja, klar, Punk ist auch Protest; Protest gegen das Establishment, gegen das Schul- und Bildungssystem, gegen Unterdrückung und Gleichschaltung. Punk legt den Finger auf die Wunden der Gesellschaft, prangert Krieg und verlogene Politik an, manchmal mit ziemlich drastischen Mitteln. Punk will die Anarchie. Aber hier ist nicht die Anrchie gemeint, wo jeder tut, was ihm gerade einfällt, sondern eine Anarchie, die eine Regierung überflüssig macht, weil die Menschen von Natur aus respektvoll miteinander umgehen. Wo nicht das Recht des Stärkeren herrscht, sondern Gleichberechtigung.

Diesem Geist fühle ich mich in meiner Spiritualität verbunden.

Für mich geht es Authentizität. (Ein anderes, für mich essenzielles Thema, zu dem Du hier noch mehr findest). Es geht um Selbsterkenntnis. Wer bin ich? Wozu bin ich hier? Es geht um das Durchbrechen von Illusion und Täuschung. Ich zeige all denen den Finger, die mich belügen und benutzen wollen. Ich will die Mauern einreißen, die Sekten, Gesellschaft und Kirchen um ihre Schäfchen bauen, damit sie sie weiter in ihrem Machtgefüge halten und ihnen die Freiheit nehmen können.
Ich lehne dieses Getue von manchen Esos ab, die Freiheit leben wollen, sich aber in ihren Mikrokosmos zurückziehen, wo sie mit „Sternengeborenen“, „Außerirdischen“, „Engeln“ etc. unterwegs sind und darauf warten, dass die große weiße Bruderschaft die Welt rettet. Blind rennen sie dann irgendwelchen Gestalten hinterher, die ihnen die neuseten Botschaften aus der Geistigen Welt präsentieren, alles eine große Hinhaltetaktik, damit sie auch brav bei der Stange bleiben. Wirklich eigenes Denken & Fühlen – Fehlanzeige. Nein, sie halten sich für etwas Besseres, für etwas Besonderes und leben dadurch auch Trennung. Von wegen wir sind alle eins!

Du willst Deine Göttlichkeit auf Erden leben? Dann tu es hier! Hier & JETZT, mit uns zusammen!

Für mich ist gelebte Spiritualität revolutionär, weil sie eigenes Denken, eigenes Fühlen, eigene Erfahrung fordert und nicht das Nachplappern irgendwelcher Konzepte, irgenwelcher Lehren, die niemals für die große Masse gelten können. Was für Dich funktioniert, muss für mich nicht stimmig sein. So sehr wir natürlich alle eins sein mögen, so unterschiedlich sind wir in unserer Wahrnehmung und unserer Art, uns auszudrücken. Was nützen spirituelle Gruppen, wenn sie nicht dazu anhalten, selbstermächtigt und frei seine eigenen Erfahrungen zu machen?
Was sind das für Lehrer, die von sich glauben, nur sie hätten die alleinseligmachende Weisheit gepachtet? Was können das für Wahrheiten sein, die im Außen gesucht werden, aber doch in unserem Innersten gefunden werden müssen?

Ja sicher, wir können uns Hilfsmittel und Werkzeuge zusammensuchen, aber wir müssen begreifen, dass es eben nur Hilfsmittel sind. Erwachen beduetet auch Erinnern. Tief in uns wissen wir, wer wir sind. Und niemand kann uns das sagen, außer wir uns selbst.
Da braucht es keine ewigen, sich wiederholenden Schulungen und Konzepte (oder Gitarrensoli)
Es braucht keinen, der Dir sagt: Das ist so! Wenn Du das glaubst, gibst Du die Möglichkeit auf, es selbst zu erfahren.

Wie im Punk leben wir im JETZT. Gestern ist Vergangenheit, morgen noch nicht Realität. Alles, was wir haben ist JETZT. JETZT liest Du diesen Artikel, JETZT kann er in Dir etwas bewegen. Nicht vorhin und nicht nachher. Mir wurscht, was nachher ist, JETZT bin ich (hier).

Letztens hat sich jemand darüber geäußert, dass zwar in meinem Artikel viel Wahres drin stünde, aber ich doch eine sehr eigene Sprache hätte und deswegen könne sie diesen Artikel auf Facebook nicht liken. Ja, danke! Ich hoffe sehr, dass ich eine eigene Sprache habe. Wenn sie Dir nicht gefällt, schade, ist aber OK für mich. Ich möchte nämlich nicht klingen wie hundert andere, die salbungsvoll über Licht und Liebe schreiben, aber kaum, dass man anderer Meinung ist, über Dich herfallen und Dir alles Mögliche unterstellen, wobei so Sprüche wie: „Du bist jetzt grad nicht in der Liebe!“ noch die Harmlosesten sind. Ich schreibe so, wie ich mit Dir sprechen würde, säßest Du mir jetzt gerade gegenüber. Ich schreibe, wie ich fühle. Manchmal roh, ungeschönt – direkt. Auch das ist Punk.
Aber das ist auch Spiritualität. Denn auch in ihr, wenn Du Dich wirklich selbst erfahren möchtest, wird es manchmal roh und brutal. Dann nämlich, wenn Du Deine Prozesse und Transformationen durchlebst. Sie wirklich durchlebst und sie nicht durch rosaroten Zuckerguss der Esoterikfraktion zudecken lässt.

So wie Punk aufgerufen hat, Deine eigene Band zu gründen, Dein eigenes Ding zu machen, ruft Dich Spriritualität ebenso dazu auf, Deine eigenen Erfahrungen zu machen, das Leben durch Deine eigenen Augen zu sehen, mit Deinem eigenen Herzen zu erspüren. Punked!

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8 Antworten zu Es lebe die Revolution – oder warum war doch gleich Spiritualität Punk?!

  1. Corinna Stübiger schreibt:

    Hey Stefan! Herrlich 🙂 Ich mag es, wenn Menschen sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist 🙂 Danke für deine „Frechheit“. Das Thema: wichtig und aktuell (wahrscheinlich immer), begegnet mir auch grad wieder mehr. Ich bin bekennende Esoterikerin (im bodenständigen Sinne *gg*), aber dieses Weichspülergelaber kann ich nicht ab und ich stimme dir vollkommen zu in dem, was du den Punk nennst – d.h., Selbstverantwortung, Selbstermächtigung und bewusst im JETZT leben, und zwar HIER auf der Erde, und nicht in irgendwelchen Sphären.
    Danke dir für deine erfrischenden Statements 🙂

    • stefantrumpf schreibt:

      Liebe Corinna!
      Danke, dass Du so offen mit meiner Art zu schreiben umgehst. Es bestätigt mich, in dem, was ich tue. Dass Dir dieses Thema auch begegnet und Du es nachvollziehen kannst, was ich schreibe zeigt mir, dass ich mit meiner Wahrnehmung nicht allein da stehe. Gott sei Dank! 😀
      Danke Dir herzlich für Dein ermunterndes Feedback!

  2. corneliastessl schreibt:

    Hallo Stefan, du schreibst hier ganz was Wichtiges. Wir dürfen Werkzeuge nehmen, aber es soll uns bewusst sein, dass es nur Hilfsmittel sind. Das finde ich toll, denn ab und zu brauchen wir Hilfe auf dem Weg.

    Oft lese ich: du brauchst gar nichts, weil es ist eh alles da. Klar ist es so, aber nicht jeder hat schon dieses Denken oder Wissen. Die Menschen sollen ganz mit ruhigen Gewissen die Hilfe annehmen können.

    Was ich jedoch – und du ja auch – für gefährlich halte, ist diese „Abhängigkeit“ und das „Abgeben der Verantwortung“ das leider dann doch viele Menschen tun.

    Ein seriöser Begleiter sollte begleiten, aber nicht abhängig machen. Es gibt viele tolle Lehrer aber so wie es in der Schule auch ist, der „Schüler“ sollte irgendwann weitergehen und nicht beim Lehrer hängen bleiben.

    Eine gute Mutter macht ihre Kinder auch nicht von sich abhängig sondern fördert sie, damit sie selbst denken, fühlen und Verantwortung übernehmen.

    Das würde ich mir von all den „Gurus“ wünschen. Und für alle Suchenden wünsche ich mir, dass sie in sich hineinfühlen und spüren, wann es genug ist oder Zeit ist, den „Lehrer“ zu verlassen.

    Toller Artikel, super geschrieben.

    Lg
    Conny

    • stefantrumpf schreibt:

      Liebe Conny!

      Ich will gar nicht viele Worte verlieren. Ich kann Dir nur beipflichten. Wer die Verantwortung für sein Leben oder seine Entwicklung ausschließlich an Lehrer, Gurus oder andere Menschen abgibt, wird nie das Gefühl wirklicher Freiheit kennen… Und genau das ist schade.

      Wieder einmal danke für Dein ausführliches Feedback!

      Herzliche Grüße
      Stefan

  3. ina machold schreibt:

    Über irgendeinen Facebook-Post bin ich hier gelandet und ich freue mich! Darüber, dass es mehr Menschen gibt, die sich selbst hinterfragen und bewegen anstatt Einhornkotze zu verbreiten! Die im Zusammenhang mit Spritualität von Verantwortung sprechen. Über das Gefühl der Verbundenheit mit ähnlich denkendenfühlenden Menschen. Über die Liebe zum Punk 🙂

    Danke!

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