Fang bei Dir an!

Gleich eins vorweg: Dies ist ein Nachtrag zu meinem Beitrag „Bedingungslose Liebe oder rosa Zuckerguss“.

Um diesen Beitrag hier besser zu verstehen, wäre es gut, erst den anderen zu lesen.

Dazu inspiriert hat mich die Zuschrift einer Leserin, die mir schrieb, wie sehr sie eben dieser Beitrag berührt hätte, und dass auch sie versuche, ihr Leben an der bedingungslosen Liebe auszurichten und diese in ihr Leben zu integrieren. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich gerfreut habe, eine solche Reaktion ausgelöst zu haben. *Hach* – schön!

Jedenfalls schrieb mir die Leserin, dass sie oft traurig oder wütend über das Verhalten ihrer Mitmenschen sei, die sich einen Dreck um bedingungslose Liebe oder solche Dinge scheren. Aber jedes Mal, wenn sie dann ihre Wut spürt und/oder ihre Traurigkeit, dann erinnere sie das daran, dass sie jetzt gerade auch nicht bedingungslos liebt.

Puuuh! Was für ein Dilemma… Wir sind emotional berührt, werden vielleicht wütend oder traurig und dann, hoppla, fallen wir aus der bedingungslosen Liebe einfach so heraus?

Ich für meinen Teil möchte deswegen folgendes an den letzten Beitrag anschließen:

Wir sind Menschen! Punkt! Auch, wenn wir tief in uns vielleicht schon spüren oder erfahren haben, dass wir eigentlich göttliche Wesen sind. Aber wir haben, aus welchen Gründen auch immer, eine menschliche Inkarnation beschlossen und da sind wir jetzt. Und bis uns (vielleicht) eines Tages dann die Stunde schlägt, müssen wir damit leben.

Ich glaube, den größten Fehler, den wir in unserer spirituellen oder überhaupt je in unserer Entwicklung machen können, ist der, dass wir uns ständig selber verurteilen und bewerten. Weißt Du, was das für einen Druck erzeugt? Weißt Du, wie anstrengend das ist? Klar, weißt Du das.

In der spirituellen Gemeinschaft sollte ja nun eigentlich der Druck von uns genommen werden, weil ja – zumindest habe ich das immer geglaubt – spirituelle Entwicklung frei machen sollte. Aber, wie gestern schon erwähnt, jetzt gibt es ja solche Vögel, die sich dann auch noch „Lehrer“, „Guru“ oder sonst was nennen (lassen), die offensichtlich nichts von Befreiung halten, sondern mit dem erhobenen Zeigefinger jeden be- oder verurteilen, der nicht genau die Regeln befolgt. Ja Schei….benkleister! Damit wirst Du doch schon wieder ein Konzept eingebunden. Und Einbindung ist bekanntlich das Gegenteil von Entwicklung!

„Oh, ich bin wütend, aber ich bin doch spirituell, ich lebe doch die bedingungslose Liebe, da darf ich nicht wütend sein!“ – Bullshit! Natürlich darfst Du. Hör auf, Dich dafür zu verurteilen! Selbst Jesus wurde wütend, selbst Jesus war traurig und hatte Angst. Und selbst, wenn man keinen Bezug zu ihm hat, so wird doch sicher jeder eingestehen müssen, dass er ein bedeutender Lehrer war. Aber, er hat sich sicher nicht den Kopf darüber zerbrochen, ob das jetzt spirituell ist oder der bedingungslosen Liebe folgt, wenn er mal auf den Tisch haut.

Wenn wir uns ständig selber verurteilen, aus welchen Gründen auch immer, dann ist mal eins fix: wir lieben UNS SELBST nicht bedingungslos. Und damit geht doch die ganze Kiste baden. Wir dürfen bei uns anfangen. Dürfen anfangen, uns anzunehmen, so wie wir sind. Mit Ecken und Kanten, mit Wutausbrüchen oder in Tränen aufgelöst.

Es gibt dazu eine tolle Übung, die ich von Werner Ablass übernommen habe und die viele meiner Klienten heute auch (hoffentlich 😉 ) praktizieren: Ich nenne es die „Ich liebe!“ – Übung. Wie gestern schon erwähnt, ist für mich die objektlose Liebe, also Agape, zumindest ein Baustein im Gebäude der bedingungslosen Liebe, ausgedrückt durch „Ich liebe!“ Über den tieferen Sinn dieser Übung empfehle ich die Bücher „Nichts tun und alles erreichen“, sowie „Leide nicht, liebe!“ besagten Autors. Ertappe ich mich nun bei einem Wutanfall – kann ja mal vorkommen!- dann verurteile ich mich nicht dafür und schimpfe mit mir, dass ich schon wieder aus der Liebe gerutscht bin, sondern, ich nehme mich in diesem Gefühl an. Man könnte sagen, ich wechsle die Perspektive und werde zum Beobachter meiner selbst.

Da stehe ich nun also und beobachte mich, nehme wahr, wie es mir geht. Ich „sehe“ wie mir der Kamm schwillt und ich am Liebsten aufstampfen würde. Der Witz dabei ist: ich akzeptiere das, aber ich bewerte es nicht. Ich nehme es schlicht zur Kenntnis. Und dann kommt das kleine Männchen in meinem Kopf mit der „Ich liebe!“ – Tafel…

Was dann geschieht, lade ich jeden ein, selbst heraus zu finden.

Zusammengefasst heißt das also alles nichts anderes, als dass die bedingungslose Liebe bei mir selbst beginnen muss. Liebe ich mich selbst nicht, wie sollte ich da jemanden anders „lieben“ können. Akzeptiere ich mich selbst nicht, wird mir dies bei jemandem anders ziemlich schwer fallen, sollte der nicht super nett sein und einen guten Tag haben.  Hören wir also bewusst auf, uns selbst ständig zu bewerten, zu bemessen, zu vergleichen und zu verurteilen und schenken wir uns stattdessen Achtsamkeit, Toleranz, Akzeptanz und jede Menge Liebe…

Und an meine geschätzte Leserin gerichtet heisst das: Sei wütend, sei traurig, ärger Dich so richtig und verurteile Dich nicht dafür. Du bist deswegen nicht weniger „in der Liebe“, Du bist menschlich. Du bist greifbar, Du bist authentisch, Du deckst nicht alles mit dem rosa Zuckerguss an esoterischem Blabla zu und verdrängst damit Deine Gefühle. Nimm Dich an, so wie Du bist – bedingungslos!

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